Wer hat eigentlich die Sachen in meinem Schrank gekauft??

Wird dein Kleiderschrank von deinem „inneren Opfer“ oder deiner „inneren Richterin“ regiert?

In diesem Artikel beschreibe ich eine – zugegeben ziemlich radikale Sichtweise – auf unseren Kleiderschrank.

Ich behaupte, wenn wir nicht aus der Position von Selbstliebe und Wissen-was-mir-steht unsere Kleidung kaufen, dann kann es sein, dass sich irgendwann ein mulmiges Gefühl einstellt: „Wer um alles in der Welt hat denn diese Sachen hier gekauft? Also, ich war das doch nicht….? – Oder doch?

Ich wähle bewusst das Pronomen „uns“, denn ich will dir versichern: auch in meinem Kleiderschrank gibt es (immer noch) einige Opfer- und einige Richterteile.

Gleichzeitig soll dieses „wir“ auch sagen: Hey, du bist nicht alleine damit. Ich stehe mit dir vor deinem Kleiderschrank.

Zu erkennen, dass du Kleidung vielleicht bisher nach der Richter- oder der Opferstrategie ausgesucht hast, ist zwar schmerzhaft.

Aber das ist das Schöne an Kleidung: du hast jeden Tag eine neue Chance etwas zu verändern!

 

Was für Bilder hast du selbst von dir?

  1. Wenn du ein schönes, ein positives Bild von dir hast: Glückwunsch! Tue alles dafür, dass es so bleibt. Das hat nichts mit Egoismus oder Narzissmuss zu tun, sondern mit gesunder und wichtiger Selbstliebe.
  2. Wenn du aber ein negatives Bild von dir hast, dann magst du vielleicht auch dein Aussehen nicht.
  3. Wenn du dein Aussehen nicht magst und Kleidung einkaufen gehst, wirst du nicht die Kleidung finden, die wirklich toll für dich ist.

So läuft es oft ab.

Schauen wir uns an, was ich mit „innerem Opfer“ und „innerer Richterin“ meine.

Auf dass du dich bald als stolze Heldin zu deinem Wunschkleiderschrank aufmachen kannst!

 

Stefanie sitzt auf dem Boden im Wald und breitet die Arme aus. Über dem Foto steht ein Spruch von Thich Nhat Hanh.

Die „innere Richterin“ und das „innere Opfer“

Wenn ich von der „inneren Richterin“ oder dem „inneren Opfer“ schreibe, dann meine ich Bilder, die du von dir selbst hast.

Wir alle haben diese Anteile in uns, wie ein inneres Figurentheater. Manche sind stärker in uns vorhanden, ihre Stimme hören wir häufiger. Andere hören wir nicht so häufig.

Es gibt noch die innere Kritikerin (hier habe ich schon mal über sie geschrieben klick) und die innere Perfektionistin.

Hurra! Es gibt auch positive innere Stimmen. Aber die sind oft so leise!

In diesem Artikel und insgesamt in meiner Beratung spreche ich auch zu deiner inneren Heldin. Das ist der Anteil in dir, der möchte, dass du strahlst, dass du dich schön findest und wertvoll. Dass du dich selbst liebst.

Kleidung ist Stoff gewordene Selbstliebe.

Sich passende, schöne Kleidung in den Kleiderschrank zu hängen ist ein Teil von Selbstfürsorge, weil du dafür sorgst, dass es deinem äußeren Selbst gut geht.

Auch klar ist: Es kann immer mal Zeiten dazwischen geben, wo uns das weniger gelingt. In Zeiten, in denen anderes viel, viel wichtiger ist in unserem Leben. Und das ist okay.

 

Beispiel von mir?

Ich könnte heute noch heulen, wenn ich daran denke, in was für einem Kleid ich geheiratet habe. Rot war es, ein Oberteil und ein Rock, der Rock hat mir noch nicht mal richtig gepasst. Das Rot hat sich mit dem Rotton meiner damals noch gefärbten Haare gebissen.

So weit, so „traurig“. Die Fotos schaue ich auch nach 17 Jahren nicht sehr gerne an….

Aber: es war vier Monate nach der Geburt meines ersten Kindes, ich habe voll gestillt, war total übernächtigt und mein Mann hat 60 Stunden die Woche gearbeitet.

Und ich war immer noch im Keller meines Selbstwerts, hatte noch nicht die wunderbare Wenche Veiersted klick (damals noch Wenche Schneider) kennengelernt, die mich einige Wochen später mit ihrer Farb- und Stilberatung „aufgeweckt“ hat.

Ehrlich, meine Liebe: Ich dachte, das müsste so sein. Ich hätte es nicht anders verdient.

 

Schauen wir uns die beiden Kleiderschränke näher an.

Mimimi: Das innere Opfer war einkaufen

Der Anteil des inneren Opfers sorgt dafür, dass du dich klein und unbedeutend fühlst. Er flüstert dir ein, dass du vom Leben nichts erwarten oder fordern darfst. Eher sollst du dich verstecken. Das ist sicherer.

Wie die innere Richterin ist auch der Opfer-Anteil nur damit beschäftigt, dich zu beschützen! Und er versucht es, in dem er dir vorschlägt, dass du am besten unsichtbar sein sollst.

Wenn du häufig aus der inneren Opfer-Haltung heraus einkaufst, dann finden sich in deinem Kleiderschrank vielleicht

  • insgesamt wenige Farben
  • entweder sehr viele dunkle Farben (verstecken gut) oder sehr viele helle Farben (dann verschmilzt man mit der Wandfarbe ;-))
  • keine Muster oder ausgefallene Sachen
  • die Sachen sind eher weit geschnitten, verdecken die Figur
  • kein Schmuck oder wenn – dann sehr kleiner, unauffälliger Schmuck
  • viel Geerbtes, Geschenktes, weil – man kann es ja nicht wegwerfen
  • viele alte Sachen oder kaputt
  • Ungetragene Kleidung, die du eigentlich sehr magst, die dir aber immer zu schön ist für deinen Alltag

Ein „Opfer“kleiderschrank sagt: Ich fühle mich klein und ich mache mich klein.

 

Puuh, oder? Wir atmen jetzt alle mal ein bisschen tief durch!

Sei dir ganz sicher: Sooo schlimm ist es nicht. Ich übertreibe, um etwas deutlich zu machen. Anteile von dem oben beschriebenen habe ich schon in vielen Kleiderschränken gesehen – inklusive in meinem eigenen! Okay?

Die gute Nachricht ist: In jeden Kleiderschrank finden sich Teile, die eine andere Sprache sprechen. Die bereits da sind und ihre Trägerin heben und beleuchten!

Eine Affirmation, um dir selbst zu vergeben. Sage sie dir täglich – es braucht ein bisschen Übung, bis es wirkt.

 

Schauen wir uns nun einen Kleiderschrank an, in dem „die innere Richterin“ regiert.

Die innere Richterin im Kleiderschrank: „Frau Oberstaatsanwalt“

Richter:innen im echten Leben haben die Aufgabe, unparteiisch und gerecht zu sein.

Deine innere Richterin ist streng und unerbittlich. Sie hat nur ein Ziel: Dich. Sie will dich davor bewahren, dich lächerlich zu machen. Fehler zu machen, für die du bezahlen müsstest.

Wenn deine innere Richterin sich in deinem Kleiderschrank breit gemacht hat, dann könnte dein Kleiderschrank bestehen aus

  • Zu enger Kleidung, z.B. Hosen, in die du nur passen würdest, wenn du 5 – 10 Kilo abnimmst
  • Kleidung, an der noch das Preisschild hängt, damit du so ein richtig schlechtes Gewissen bekommst, wenn du sie nicht trägst
  • Der Stil der Kleidung ist eher streng, nichts Weibliches darin, steife Stoffe
  • ganz viel Schwarz und ganz viel Weiß, wenig weitere Farben, vielleicht noch Rot
  • Blazer ohne Ende, nur Hosen, keine Röcke oder Kleider
  • Muster vielleicht nur in Form von Streifen

 

In Reinform habe ich noch nie einen solchen Kleiderschrank gesehen.

Aber: Anteile von der inneren Richterin finden sich in sehr vielen Kleiderschränken, wenn nicht sogar in allen.

Achtung: Es könnte sein, dass du jetzt sagst, aber, Stefanie, das ist genau mein Stil! Und ich bin gar keine „Richterin“.

Darauf ist meine Antwort: Yes, super! Mach weiter so!

Der Unterschied ist: So lange du mit dem, was du in deinem Schrank glücklich bist, ist alles okay.

Wenn du zweifelst, wenn du das Gefühl hast, dein Schrank „riecht“ nicht nach dir, spiegelt dich nicht wider – dann ist es an der Zeit, auf die Suche zu gehen!

 

 

 

Ein liebevolles Fotoshooting kann sehr helfen, dein eigenes Bild von dir zu erweitern und gar zu heilen. Alle Fotos hier sind von Rosa Engel, Aachen

Auftritt:  Die Heldin

Wow! Du hast bis hierher gelesen, hast dich durch den Dschungel der inneren Anteile gekämpft: Wie mutig und tapfer von dir!

Erster Schritt: Lege dir die Hand auf die Wange oder auf die Schulter und streichle deine Wange oder deine Schulter!

Dir selbst verzeihen

Selbstliebe und gut zu dir zu sein – das ist in jedem Fall sooo wichtig!

 

Was kannst du tun, wenn du das Gefühl hast, dein Kleiderschrank tut dir nicht gut?

Zunächst: Es kann sein, dass diese Erkenntnis dich schon unglaublich weiter bringt. Festzustellen, dass du das SO NICHT MEHR weiter machen möchtest, löst ja schon einen Schub an positiver Energie aus.

  • Vielleicht machst du als erstes einfach alle Preisschildchen an den Kleidungsstücken weg.
  • Oder du holst alle die Blusen von Tante Inge mit den altmodischen Mustern aus dem Schrank und machst Servietten daraus.
  • Lege alle Kleidung zur Seite, die dir zu eng oder (deutlich) zu weit ist.
  • Beschließe: Ab heute ziehst du alles an, worauf du Lust hast!

 

Du willst nachhaltig etwas verändern

Wenn du ein bisschen umfassender herangehen willst, dann empfehle ich dir folgende verschiedene Möglichkeiten

  • Hole ALLE Kleidung aus deinem Schrank, die du momentan nicht trägst. Alles, was dir zu eng ist oder was du nur unter Unwohlsein anziehst. Lege es an einem Ort ab, zu dem du natürlich wieder gehen kannst. Nur – es muss aus deinem morgendlichen Blickfeld verschwinden. Trage dann eine Woche lange einfach nur noch das, was übrig bleibt und beobachte, was es mit dir macht. Stimmung? Wohlbefinden?

Oder:

  • Lasse zunächst alles so, wie es ist. Alle Kleidung bleibt im Schrank. Du legst dir eine einfache Tabelle an und führst für etwa drei Wochen lang darin auf, was du jeden Tag angezogen hast und notierst dazu, was dir auffällt. Außerdem auf einer Skala von 1-10, wie wohl du dich in deinem Outfit gefühlt hast.

Oder

  • Nimm dir morgens etwas mehr Zeit vor deinem Kleiderschrank. Setze dich vor dem Anziehen auf den Boden und schließe die Augen. Verbinde dich innerlich mit dem liebevollen Anteil in dir, mit deiner Heldin. Vielleicht kannst du ein inneres Bild von ihr entwickeln? Sie darf auch wie eine Prinzession aussehen! Verweile bei diesem Bild oder deinem inneren Anteil ein bisschen, drei Minuten genügen erstmal. Danach öffnest du die Augen und wählst deine Kleidung für den Tag. Nach einer Woche oder zwei hälst du Rückschau und überlegst, was sich verändert hat.

Oder

  • Du buchst eine Stilberatung bei mir :-D

 

 

Hey, du liebe Kleidersucherin, ich hoffe, du hast nach dem Lesen dieses Artikels einige Ideen bekommen, welche Kleidungsstücke du vielleicht neu betrachten solltest?

Schreib mir doch in den Kommentaren, welche Stücke in deinem Kleiderschrank vielleicht von deinem inneren Opfer oder von deiner inneren Richterin ausgesucht wurden.

Ich würde mich freuen von dir zu hören!

 

 

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